Archiv der Kategorie 'goldbraun'

Was unternehmen am 6.11. ?

Ceterum censum wäre ich ja einem satten Existenzgeld gar nicht abgeneigt. Und nun werde ich mit Aufforderungen bombardiert, am 6. November vor dem Reichstag dafür zu demonstrieren (//www.unternimmdasjetzt.de/). demonstrieren gehen? Aber immer gerne. Allein, mein Problem dabei? Ich habe eine ausgesprochene Aversion gegen falsche Fuffziger.

Also, halten wir sie doch mal gegens Licht. wer will mich da mobilisieren? ok, Ralf Boes, von seinen Adepten auffällig oft und leicht ehrfürchtig als der Herr Boes tituliert, innerhalb und außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings inzwischen ja eine sattsam bekannte Größe mit seinen gestenreichen und streckenweise gut formulierten Reden. Welch ein Rhetor! Der braucht für seine – in der Sache gar nicht durchgehend falschen – One-way-Kommunikationen in Sachen Grundeinkommen wirklich mal ein zahlreicheres Gegenüber.

Und Julia Pötzl von diesen VIOLETTEN, größtenteils harmlosen Spiritisten. Also die beiden allein können mich noch nicht abhalten, schließlich leben wir in ideologisch harten Zeiten, wenn ma da allzu etepete ist, kann ma kaum noch raus auf die Straße…

Also, was haben wir da noch so an „Möglichmachern“, die nicht nicht nur eine bundesweite Demonstration mit 100.000 Teilnehmern auf die Beine stellen wollen, sondern – hach, wie anregend – den Beischlaf gleich mit? Den eingetragenen Verein Global change 2009: Wirtschaft, Soziales, Grundrechte, Natur/Umwelt und Frieden, alles soweit bingo, gelle?

Mit Jörg Buschbeck könnte ich mich ja anscheinend noch von Unternehmer zu Unternehmer auf leicht erhöhtem Niveau über Geld und Zinsen unterhalten – der tut ja zumindest so, als könnte ma ihm noch mit ökonomischer Realität und ein bischen Logik kommen. By the way: Wie wählt eigentlich YouTube seine oft sehr passenden Vorschläge zum gerade laufenden Video aus? Bei Buschbecks Interview auf HR2 Kultur jedenfalls kann ma sich dann (2. Vorschlag) bei steini1953 über den letzten Gang des Deutschen Volkes informieren. Wer mir nachweist, daß in diesem Elaborat auch nur eines der Wesenselemente des modernen Antisemitismus fehlt, bekommt ne Kiste Bier. Aber was kann der arme Buschbeck für diese degoutante Internet-Nachbarschaft?

Also zurück zu „global change“: Ich hätte ja wohl immerhin auf der Demo mal Möglichkeit die Landeskoordination Berlin, in Persona Benny, kennenzulernen. Aber ok, ob solche kultivierten jungen Herren mit mir zusammen in der Öffentlichkeit gesehen werden möchten, wer weiß?

Aber lassen wir uns nicht von Oberflächlichkeiten leiten. Was erfährt ma denn so über politische Positionen dieses aufstrebenden Verbandes? Aha, man läßt sich hier nicht „in ein bestehendes politisches Raster pressen“, alles hübsch ausgewogen, „für ein funktionierendes ökonomisches wie ökologisches System“. Man ist so… „sozial wie liberal – so werteorientiert wie gegen Ausbeutung“. Nicht links, nicht rechts – vorne! gell? Woher kommt mir diese Programmatik bloß so bekannt vor?

Aber durchaus radikal das Ganze: Marktstörungen will „global change“ grundlegend abschaffen und: Man versteht sich widerständisch, revolutionär. Klasse, da wollen wir mal die demonstrative Symbolik im Podcast „Nachricht aus dem Widerstand“ nicht zu böswillig interpretieren. Ein Schelm, wer dabei an Ortega y Gasset’s Aufstand der Massen denkt: „Wenn die Masse selbständig handelt, tut sie es nur auf eine Art: sie lyncht…“

Beschließen also mit uns: MOBilisieren, mitdemonstrieren, weitertragen.

Auch wenns falsche Fuffziger sind.

Falsche Fuffziger können wir schließlich auch:

Also: //unternimmdasjetzt.de/

Gescheit gescheiter gescheitert

Die Kritik des Zinses ist die politische Ökonomie der Barbarei

Gerhard Scheit bringt’s in der Jungle World auf den Punkt, und zwar so korrekt und so kompakt, dass immerhin die anderen 17 Leute, die sich in dieser Frage noch einen klaren Kopf bewahrt haben, und darüber hinaus über den Zugang zu den entsprechenden Diskursen verfügen, nun wissen: Es gibt da draussen noch intelligentes Leben. Insofern danke und solidarische Grüße. Hinzu kommen vermutlich noch mal etwa ebensoviel Leute, denen das irgendwie auch schwant, es aber nicht so elaboriert drauf haben…

Was uns alle aber möglicherweise eint, ist das Schicksal des von Christoph Spehr beschriebenen Ingenieurs, der die Ansicht vertrat, die „Titanic“ sei nicht unsinkbar, aber dann den Fehler machte, bei der Jungfernfahrt mitzuschippern.

I.d.S. Frohe Weihnachten

Gerhard Scheit: Lob des Zinses. Im Zins scheint die Möglichkeit von Glück und Freiheit auf.

Highend-Antisemiten @ work

Der Antisemitismus … ist keine Doktrin, die kritisiert werden kann, sondern eine Haltung, deren soziale Wurzeln so geartet sind, daß sie keine Begründung erfordert. Man kann ihm keine Argumente entgegensetzen, denn er ist mit einer Reaktionsart verbunden, der die Beweisführung als Denkart fremd und verhaßt ist. Er ist ein Mangel an Kultur und Menschlichkeit, etwas, was im Gegensatz zu Theorie und Wissenschaft steht. Davon hat sich jeder überzeugt, der Gelegenheit hatte, mit einem Antisemiten eine jener hoffnungslosen Diskussionen zu führen, die immer dem Versuch ähneln, einem Tier das Sprechen beizubringen.

(Leszek Kolakowski)

Auf dieser Mailingliste konnte sich einer genau davon überzeugen. Allerdings auf höchstem dialektischem Niveau. Ein gewisser Theophil Wonneberger belehrt uns nämlich daß

neben der Produktionssphäre auch die Geldseite
mit in Betracht

zu ziehen ist. Die Marxsche Mehrwertheorie sei ein
richtiger, aber ungenügender Ansatz und müsse also mit dem Wahnsystem der Antisemiten in einer weiterentwickelten Theorie dialektisch aufgehoben werden. Wunderbar: Man mische eine Mineralwasserquelle mit einer städtischen Kloake, und was kommt dabei heraus?

Da spreche mir noch einer vom Antisemitismus als dem Antikapitalismus der dummen Kerls!

Geld = Blut?

Die beständige Krisentheorie des kleinen Mannes, kein altes Zitat von 1929 :

Das heutige Finanzwesen lässt sich so nicht begreifen, allein ein Bezug zu biologischen Systemen scheint praktikabel. Geld ist wie Blut. Solange es im Kreislauf eines Wesens zirkuliert, solange Blutdruck und Blutmenge in den Normalwerten liegen, geht es dem Körper gut. Um im Bilde zu bleiben: Einige schädliche Bakterien (eine spezielle Art von raffgierigen Bankern und Finanzhaien) wurde aus welchen Gründen auch immer von der körpereigenen Immunabwehr übersehen. Die Bakterien konnten sich vermehren, steigerten die Blutmenge im Körper, woraufhin auch der Blutdruck zunahm, und spritzten dann ihr Gift in die rote Flüssigkeit.

… schreibt ein gewisser
Thomas Mehner
und liefert in seinen Buchempfehlungen auf der Sidebar auch gleich noch ein hübsches zoologisches Panoptikum: Spinnen, die mit dem Weltball kicken spielen, Informationen über Blutsauger…

Fürwahr …
Informationen...

Und sie glaubens nicht, das krude Zeug wird geglaubt, allerorten