Archiv der Kategorie 'Labsal'

„Kapitalismuskritik“ ./. Kritik der politischen Ökonomie

Ein Politsalon im Vetomat

Seit Krise ist, erfreut sich das Wort „Kapitalismus“ in weitesten Kreisen der Bevölkerung wieder steigender Beliebtheit und die Kapitalismuskritiker vermehren sich wie die Karnickel auf der Geest. Was dagegen völlig unverändert ein ausgesprochenes Nischendasein in kleinsten, politisch vollkommen irrelevanten intellktuellen Milieus führt, ist das kritische Potential einer ernstgenommenen und genauen Gesellschaftskritik. Die Karnickel müssen sich demnach von etwas anderem ernähren.

In der Diskussionsreihe, die wir mit diesem Abend starten, wollen wir gemeinsam herausarbeiten, was dieses „Andere“ ausmacht, in dem wir exemplarisch einzelne Text-Köddel der vermeintlichen Kapitalismuskritiker auf ihre Bestandteile hin untersuchen. Alle Beteiligten sind herzlich eingeladen, zweifelhafte Untersuchungsgegenstände vorzulegen, am liebsten solche aus eigener Produktion.

Theoretische Vorkenntnisse, wo auch immer erworben, sind gern gesehen, werden aber erklärtermaßen nicht vorausgesetzt. Sie sollten aber, wo vorhanden, nicht moralisch oder dünkelhaft vor sich her getragen, sondern kritisch eingebracht werden.

22.04. (ja Karfreitag) um 19Uhr: Politsalon im Vetomat, Scharnweber Str. 35 in Friedrichshain

Gescheit gescheiter gescheitert

Die Kritik des Zinses ist die politische Ökonomie der Barbarei

Gerhard Scheit bringt’s in der Jungle World auf den Punkt, und zwar so korrekt und so kompakt, dass immerhin die anderen 17 Leute, die sich in dieser Frage noch einen klaren Kopf bewahrt haben, und darüber hinaus über den Zugang zu den entsprechenden Diskursen verfügen, nun wissen: Es gibt da draussen noch intelligentes Leben. Insofern danke und solidarische Grüße. Hinzu kommen vermutlich noch mal etwa ebensoviel Leute, denen das irgendwie auch schwant, es aber nicht so elaboriert drauf haben…

Was uns alle aber möglicherweise eint, ist das Schicksal des von Christoph Spehr beschriebenen Ingenieurs, der die Ansicht vertrat, die „Titanic“ sei nicht unsinkbar, aber dann den Fehler machte, bei der Jungfernfahrt mitzuschippern.

I.d.S. Frohe Weihnachten

Gerhard Scheit: Lob des Zinses. Im Zins scheint die Möglichkeit von Glück und Freiheit auf.

Keine Gewalt ist auch nicht immer die Lösung

Zwei New Yorker Intellektuelle beim Small Talk während einer Party. Sagt der eine zum anderen:

Du, ich habe letztens einen Essay geschrieben, gegen den Antisemitismus. – So? Wie schön! Ich bevorzuge Baseballschläger

(Woody Allen)

Highend-Antisemiten @ work

Der Antisemitismus … ist keine Doktrin, die kritisiert werden kann, sondern eine Haltung, deren soziale Wurzeln so geartet sind, daß sie keine Begründung erfordert. Man kann ihm keine Argumente entgegensetzen, denn er ist mit einer Reaktionsart verbunden, der die Beweisführung als Denkart fremd und verhaßt ist. Er ist ein Mangel an Kultur und Menschlichkeit, etwas, was im Gegensatz zu Theorie und Wissenschaft steht. Davon hat sich jeder überzeugt, der Gelegenheit hatte, mit einem Antisemiten eine jener hoffnungslosen Diskussionen zu führen, die immer dem Versuch ähneln, einem Tier das Sprechen beizubringen.

(Leszek Kolakowski)

Auf dieser Mailingliste konnte sich einer genau davon überzeugen. Allerdings auf höchstem dialektischem Niveau. Ein gewisser Theophil Wonneberger belehrt uns nämlich daß

neben der Produktionssphäre auch die Geldseite
mit in Betracht

zu ziehen ist. Die Marxsche Mehrwertheorie sei ein
richtiger, aber ungenügender Ansatz und müsse also mit dem Wahnsystem der Antisemiten in einer weiterentwickelten Theorie dialektisch aufgehoben werden. Wunderbar: Man mische eine Mineralwasserquelle mit einer städtischen Kloake, und was kommt dabei heraus?

Da spreche mir noch einer vom Antisemitismus als dem Antikapitalismus der dummen Kerls!

Auch eine Art italienisch zu lernen


… ist dieses schöne quadratische Buch, das in Mailänder Frauen­kreisen tief in den 1990er Jahren eine heftige Debatte darüber ausgelöst haben soll, ob das Patriarchat nun schon zu ende nur am Ende ist.

Es läßt sich nämlich auch – helter skelter – auf den Kopf stellen, dann hat ma das selbe Buch auf italienisch. Wie ich da jetzt, nach so langer Zeit, wieder drauf komme? Nun, das hat mit einer völlig unscheinbaren, aber auf seine Weise epochalen Veröffentlichung zu tun, die mir beim großen rostroten Bündnisauftrieb am Samstag aufgenötigt wurde…