Archiv der Kategorie 'minus achtzig'

Feind hört mit

Seit auf der Hut!
Vielleicht noch kein Grund zur Panik statt Angst, aber einige Impressionen am Rande der Demonstration „Freiheit statt Angst“ haben dann doch etwas verstörendes. Von der Antifa bis zur FDP soll das Spektrum der Aufrufenden reichen, so heißt es in der Presse, aber manche Beobachtungen legen den Verdacht nahe, das hier nicht nur Regenbogenfarben vertreten waren, sondern neben viel schwarz auch ein wenig sattbraun. Den Stand des AK Vorratsdatenspeicherung etwa zierte dieses irgendwie etwas dunkle Plakat mit dem Slogan

Seit auf der Hut – denn in diesen Tagen können Strassen sehen und leitungen hören! VORSICHT – ÜBERWACHUNG

Ein merkwürdig stechender Blick, mit dem die junge Dame uns diese berechtigte Besorgnis vermittelt. Die etwas antiquierte Zeichentechnik wirft die Frage auf: Wann entstand dieses Portrait?
Das abgebildete Plakat findet sich im Original auf einer – auf den ersten Blick politisch gänzlich unbedenklichen – Seite zu Anoymisierung und Datensicherheit im Internet (//www.wieip.de/) sowie auf einer thematisch ähnlich gelagerten Seite eines Aktionsbündnisses Ostfriesland, welches nun allerdings als „völkisch, sozial, antikapitalistisch“ überhaupt keinen Hehl daraus macht, welch Ungeistes Kind die hier zum Aktionsbündnis versammelten Ostfriesen sind. Und Ostfriesinnen, nicht nur nebenbei bemerkt, denn dort, bei den „dütschen Deerns“ begegnet uns widerum eine junge Frau mit züchtigem, schwarzen Kopftuch, eine Schnitterin(!), die gut auch für das Datenschutzplakat am Potsdamer Platz Portrait gesessen haben könnte.
Also so gesehen relativiert sich die Frage nach dem Entstehungszeitpunkt dieses Portraits ja denn doch wieder: Deutschland, kurz vor dem Mai 1945. Egal wann es gezeichnet worden ist…

Rätsel: WHO pinxit?

GIER!
Diese Zeichnung aus dem Jahr 1919 (oder etwas früher) möchte ich Sven Giegold widmen, der „Gier“ nicht nur für eine ökonomisch relevante Kategorie hält, sondern sie gleich noch für die Wirtschaftskrise verantwortlich macht.

Die merkwürdig knochige, Geld harkende Hand ziert eine zu dieser Wahnvorstellung passende Veröffentlichung aus dem Jahr 1919, verlegt in einer Graph. Kunstanstalt in Diessen (vor München) und trägt rechts oben eine merkwürdige, mir unbekannte Signatur, über die ich gern mehr wüßte: Eine eckige Sechs oder ein Ge? Ein merkwürdiges Be? Ein Ha und und ein A übereinander? Mit Streichhölzern müßte ma jedenfalls eines bei gleicher Orientierung verschieben und eines hinzufügen, dann ergäbe es ein wichtiges politisches Emblem des 20. Jahrhunderts.

Also, auch wenn’s eindeutig nicht unter Kunst fällt, KunsthistorikerInnen: WHO pinxit?

Geld = Blut?

Die beständige Krisentheorie des kleinen Mannes, kein altes Zitat von 1929 :

Das heutige Finanzwesen lässt sich so nicht begreifen, allein ein Bezug zu biologischen Systemen scheint praktikabel. Geld ist wie Blut. Solange es im Kreislauf eines Wesens zirkuliert, solange Blutdruck und Blutmenge in den Normalwerten liegen, geht es dem Körper gut. Um im Bilde zu bleiben: Einige schädliche Bakterien (eine spezielle Art von raffgierigen Bankern und Finanzhaien) wurde aus welchen Gründen auch immer von der körpereigenen Immunabwehr übersehen. Die Bakterien konnten sich vermehren, steigerten die Blutmenge im Körper, woraufhin auch der Blutdruck zunahm, und spritzten dann ihr Gift in die rote Flüssigkeit.

… schreibt ein gewisser
Thomas Mehner
und liefert in seinen Buchempfehlungen auf der Sidebar auch gleich noch ein hübsches zoologisches Panoptikum: Spinnen, die mit dem Weltball kicken spielen, Informationen über Blutsauger…

Fürwahr …
Informationen...

Und sie glaubens nicht, das krude Zeug wird geglaubt, allerorten