Archiv der Kategorie 'Wahn'

Radikale in der Partei „Die Linke“?

Hier geht es ab jetzt leider nur noch mit Gänsefüßchen, denn Antisemitismus und links sein ist nun wirklich ein Gegensatzpaar par excellence: Diese Sorte „Linke“ ist eben nicht radikal, den Verhältnissen an die Wurzel, ans Wesentliche gehend. Sie ist systematisch oberflächlich in ihrer „israelkritischen“ und „kapitalismuskritischen“ Rede, sie denunziert Schuldige, wo nach strukturellen, gesellschaftlichen (oder was den Nahen Osten betrifft: historischen) Ursachen zu fragen wäre, sie mobilisiert Emotionen gegen angebliche mächtige Institutuionen und reiche Figuren wie Spekulanten, Bankiers und Lobbyisten wo ganz ruhig aufzuklären wäre, warum der Kapitalismus gerade an seinem eigenen Movens, dem schwächer werdenden Quotienten aus G und G-Strich, seinen Vorträgen auf zukünftigen Mehrwert selbst erstickt. Und uns mitstranguliert.

Also: einfach nur mit Rosa Luxemburg „laut sagen, was ist“. Aber täte die Linkspartei das, sie fiele mit absoluter Sicherheit sofort dem alten Diktum anheim „Ein kluges Wort und schon ist man Kommunist!“ – Alle würden über sie herfallen, haßerfüllt, sie medial zerfetzen wie ein Rudel hungriger Wölfe ein gerissenes Wild und die taz wäre wahrscheinlich mittenmang dabei. Und das Antisemitismus ein sich quer durch alle Gesellschaftsschichten und politische Spektren verbreitender Ungeist ist, hat Lafontaine weitgehend richtig gesagt, und das würde sich bei dieser Gelegenheit gleich auch noch in seiner vollen Häßlichkeit zeigen.

Das Problem ist nur: Dazu wird es nicht kommen, denn in dieser angeblich so radikalen Strömung der Linkspartei gibt es diese Klarheit, diese nüchterne Gesellschaftskritik hinter vorgehaltener Hand, diese Doppelzüngigkeit (die verständlich wäre) nicht. Wir haben es hier NICHT mit bewußter Anwendung von Demagogie zu tun. Da muß niemand mehr zur anschlußfähigen Rede genötigt werden, sie glauben an den Wahn, den sie verbreiten, sie sind längst angeschlossen an dieses volkstümliche Grollen darüber, wie das arme „Volk“ von dem „korrupten Pack da oben“ betrogen wird.

Und diese populistische, verkürzte Rede hat einen Namen und es gibt historische Erfahrungen dazu. Sich mal am Kopf kratzen, innehalten, überlegen und nachfragen wäre angesagt. Aber nichts davon, nichts – nur die sattsam bekannte, reflexhafte Abwehr. Und da liegt mein, nach dieser Geschichte nun wohl nicht mehr lösbares Problem mit dieser Strömung der „Linkspartei“.

Das Gerücht von den Lobbyisten

Acht Thesen
1. In der bürgerlichen Gesellschaft sind höchstens an der Wahlurne alle gleich. Nicht nur Wohlstand, auch Einfluß, Macht und die Verfügung über die Produktionsmittel sind in der Tat sehr ungleich verteilt. Das ist für diese Gesellschaftsformation genauso konstitutiv wie die Klassenjustiz, ganz entgegen anderslautenden Gerüchten. Widerstreitende Interessen hingegen sind vermutlich für jede (irdische und humane) Gesellschaft konstitutiv. Hierin sind sich die bürgerliche Ideologie von der offenen Gesellschaft und die kommunistische Gesellschaftskritik (Klassengesellschaft) einig.
2. Im Gegensatz zu einer Gesellschaft werden in einer Gemeinschaft divergierende Interessen der Einzelnen bestenfalls informell ausgehandelt, oft aber auch autoritär unterdrückt und mit Ausschluß geahndet. Harmonie ist nicht zu haben.
3. Lobbyisten arbeiten für die Interessen ihrer Auftraggeber. Als Interessenvertreter repräsentieren sie verschiedenste gesellschaftlíche Gruppen, Regionen, Wirtschaftssektoren usw.
4. Lobbyisten haben, wie auch Spekulanten, Bankangestellte, Broker und Analysten von Ratingagenturen, derzeit einen extrem schlechten Ruf, um nicht zu sagen: Sie gelten vielen als der Inbegriff, die Inkarnation des Übels, der dunklen Macht. Bei den anderen Genannten bezieht sich dieses Ressentiment auf die Ökonomie, bei den professionellen Interessenvertretern aber auf die Gesellschaft insgesamt.
5. Lobbyisten heißen Lobbyisten, weil sie im Vorraum, der Halle vor dem Parlament, arbeiten, wo sich Abgeordnete und nicht dem Parlament angehörige Personen, Lobbyisten, treffen und kommunizieren können. Sie praktizieren gesellschaftliche Interessenkampf. Kriminelle Praktiken, also Erpressung (vermutlich selten) oder Bestechung (zumindest in den soften Formen vielleicht häufiger) mögen vorkommen, die Standardpraktiken jedoch sind die des Informierens, des Argumentierens und des Forderns und all das relativ öffentlich und eher unverbindlich.
6. Aus gesellschaftskritischer Sicht lassen sich zweifellos alle Beteiligten, inclusive der noch nicht genannten Spitzenverbände, welche die Lobbyisten für ihre Arbeit bezahlen, umstandslos als Angehörige der herrschenden Klasse einsortieren, von denen ma ja generell weiß, was von ihnen zu halten ist. Diese Kritik richtet sich jedoch gegen die Gesellschaftsformation als Ganzes, nicht gegen einzelne Exponenten und ihre Funktion innerhalb des herrschenden Betriebs.
7. Im Gegensatz dazu zielt das Ressentiment gegen Lobbyisten – tatsächlich untergeordnete Agenten, Parlamentäre zwischen ihren ungleich mächtigeren AuftraggeberInnen und den Parlamentarierern – auf die Vernebelung, ja Negierung der tatsächlichen gesellschaftlichen Interessenauseinandersetzung als solcher.
8. Ergo: Mit dem Lobbyisten liefern die Herrschenden dem dummen Volk nicht nur ein Bauernopfer, einen Sündenbock ans Messer, sie bringen die Beherrschten gleichzeitig noch dazu, hinter ihrem Rücken der Volksgemeinschaft das Wort zu reden, in der sie dann überhaupt nichts mehr zu kammellen haben.

Zum ABC antisemitischer „Kapitalismuskritik“

Den Kapitalismus zu kritisieren ist eine heikle Angelegenheit. Wer sie ernst nimmt, kommt nicht umhin, sich analytisch, also nachvollziehend auf den wirtschaftlichen Alltagsbetrieb unserer Gesellschaften einzulassen und gerät gleichzeitig schon fast ins diskursive Abseits, weil die heutige öffentliche Debatte über den Kapitalismus von ungenauen Metaphern wie der „Macht des großen Geldes“ bestimmt wird.

Diese und andere einschlägige Metaphern sind jedoch weder beliebig noch sind sie zufällig im Umlauf. Sie decken sich ganz bedenklich mit einem bestimmten Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge, die wir als antisemitische „Kapitalismuskritik“ bezeichnen. Warum bei diesem Gerede analytisches Denken verpönt ist, moralische Empörung aber groß geschrieben wird und warum im Zentrum dieser Ideologie der Zins steht und nicht der Profit, darüber wollen wir an diesem Abend diskutieren.

Politsalon, Freitag, 27.5.2011 um 19.oo Uhr im VETOMAT, Scharnweberstr. 35

„Kapitalismuskritik“ ./. Kritik der politischen Ökonomie

Ein Politsalon im Vetomat

Seit Krise ist, erfreut sich das Wort „Kapitalismus“ in weitesten Kreisen der Bevölkerung wieder steigender Beliebtheit und die Kapitalismuskritiker vermehren sich wie die Karnickel auf der Geest. Was dagegen völlig unverändert ein ausgesprochenes Nischendasein in kleinsten, politisch vollkommen irrelevanten intellktuellen Milieus führt, ist das kritische Potential einer ernstgenommenen und genauen Gesellschaftskritik. Die Karnickel müssen sich demnach von etwas anderem ernähren.

In der Diskussionsreihe, die wir mit diesem Abend starten, wollen wir gemeinsam herausarbeiten, was dieses „Andere“ ausmacht, in dem wir exemplarisch einzelne Text-Köddel der vermeintlichen Kapitalismuskritiker auf ihre Bestandteile hin untersuchen. Alle Beteiligten sind herzlich eingeladen, zweifelhafte Untersuchungsgegenstände vorzulegen, am liebsten solche aus eigener Produktion.

Theoretische Vorkenntnisse, wo auch immer erworben, sind gern gesehen, werden aber erklärtermaßen nicht vorausgesetzt. Sie sollten aber, wo vorhanden, nicht moralisch oder dünkelhaft vor sich her getragen, sondern kritisch eingebracht werden.

22.04. (ja Karfreitag) um 19Uhr: Politsalon im Vetomat, Scharnweber Str. 35 in Friedrichshain

Richte nicht…

… auf das du nicht gerichtet werdest. Mit lieben Grüßen an Friedhelm Hengsbach.

Das „globalisierungskritische Netzwerk“ ATTAC, welches an anderer Stelle einmal einigermaßen treffend dadurch charakterisiert wurde, daß es mit seinen Börsentransaktionssteuern die Kuh namens „Ökonomie“ an der falschen, nämlich der hinteren Körperöffnung melken möchte, will sich nun vom 9.-11. April in Berlin zur Abwechslung mal an Bertrand Russell vergehen und ein „Bankentribunal“ veranstalten.

„Weil die Krise System hat“ sind die „Vorladungen“ an diejenigen überschrieben, die man dafür „zur Rechenschaft“ zu ziehen beabsichtigt.

Sehr gespannt darf ma nun ja darauf sein, wer in diesem Schauprozeß wie als Verteidiger in Erscheinung tritt und welche Affekte ihm oder ihr ggf. entgegenschlagen…